St. Vincent V

St. Vincent V

đŸ‡»đŸ‡š Gut, dass der Wind erst morgen dreht (drehen soll), so habe ich heute noch einmal die Gelegenheit genutzt, den Vulkan La SoufriĂšre zu erklimmen. Vor ein paar Tagen sind Ralf und ich ja vorher umgedreht, da wir vom Meer aus losgelaufen sind und am Basislager I bereits ziemlich ko waren und es außerdem zu spĂ€t wurde. Heute bin ich also frĂŒher los. Als ich mit dem Minibus an der Abzweigung hoch zum Vulkan angekommen bin habe ich mich suchend umgesehen, so dass auch gleich ein total abgerockter GelĂ€ndewagen hielt und der Fahrer fragte, ob er mich hoch zum „Basislager I“ (das ist das runtergekommene Besucherzentrum bis zu dem Autos fahren können) bringen soll. Ja supi! Er möchte dafĂŒr 25 $ EC (durch 3 = €), ok! Auf dem Weg dahin hat er mich als erstes gefragt, wo denn mein Kumpel sei. HĂ€? Ja, er hĂ€tte uns vor einigen Tagen schon mal gesehen… Und dann hat er von dem Vulkanausbruch im April erzĂ€hlt. Er und ein Freund waren gerade in der Bananenplantage, als es sich erst anhörte, als wĂŒrde ein riesiges DĂŒsenflugzeug starten und wenig spĂ€ter der Ascheregen losging. Und jetzt bekomme ich auch einen Kopf daran, warum auf den DĂ€chern von „Basislager I“ so viel „Split oder sowas“ liegt – das ist Vulkanasche.
Der Aufstieg war toll! Über den „Regenwaldteil“ hatte ich ja schon nach dem ersten Ausflug mit Ralf berichtet, daran schließt sich der Nebelwald an (viele Farne, Bromelien und schlanke Palmen), daran eine Krautschicht, wobei die wilden Begonien und Orchideen die ersten zu sein scheinen, die ihren Kopf aus der Asche stecken. Etwas höher war dann nur noch Geröll und schließlich der Kraterrand – komplett im Nebel. Dort oben wehte ein irrer Wind und ich habe mich nur getraut, auf allen Vieren an den Rand zu kriechen. Von unten stieg eine warme, schwefelig-eierfaule Pestilenz auf und endlich verzog sich der Nebel ein wenig und ich konnte unten, in wie viel hundert Meter Tiefe auch immer – den Kratersee erkennen! Wow! 2013 saß ich mit Thea am Fuße des Ätna beim Abendessen auf einer Terasse, als wir das DĂŒsenflugzeug donnern hörten und kurze Zeit spĂ€ter von unseren LogenplĂ€tzen die LavafontĂ€nen am Himmel bewundern konnten und letzes Jahr hatte ich ja eigentlich La Palma auf meinem Tourplan, wo dann der Vulkan ausbrach. Ganz schön aktiv, unser Planetchen!
Auf dem halben Weg zurĂŒck hörte ich ein Auto hinter mir. Das war wieder mein „Taxifahrer“, der mit 2 Kollegen auf der LadeflĂ€che aus irgendeiner Plantage gekommen ist. Er hat mich natĂŒrlich mitgenommen, ich sollte auch nichts bezahlen, es sei ja ohnehin sein Weg!
Ich muss Enno unbedingt schreiben, dass er mir einen neuen Gummifuß fĂŒr meinen Handstock mitbringt. Nachdem ich den ja jahrelang gar nicht benutzt habe und echt wenig gelaufen bin, klappt das jetzt supi – nur habe ich den GummipĂŒmpel nun fast durch und vorhin ist er mir schon in einer Kokosnusspalme hĂ€ngengeblieben, als ich mir wieder eine frische Nuss gegönnt habe.
So, der Wind soll morgen also weiterhin gĂŒnstig sein. Ich werde mich, wenn alles mitlĂ€uft, also das nĂ€chste Mal von St. Lucia melden!
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1 thought on “St. Vincent V

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      Das alles ist ja schier unglaublich! Als Blog-Konsument kommt man ja kaum noch mit der Einordnung der EindrĂŒcke hinter her. Dirk, am Telefon darauf angesprochen, meinte dazu: „Ja, was meinst du, wie es mir hier erst geht“.
      Wie gut, dass du dein Logbuch hast und die Fotos das Aufnahmedatum. Sonst wĂ€re es nach der RĂŒckkehr wohl eine Sisyphos-Aufgabe, die Erlebnisse und Fotos richtig einzuordnen.
      Mit dem Foto vom Kraterrand wurde sicher eine Mutprobe belohnt; schließlich ist es vermutlich ein Unterschied, ob man seefest oder schwindelfrei ist.
      Und dann der Berichtsstil – ich kann nur wiederholen, was bereits gesagt wurde: „Nach kurzer Zeit hat man das GefĂŒhl, selbst dabei gewesen zu sein“.
      Bedenkt man, dass „wir“ noch nicht mal die HĂ€lfte der Strecke geschafft haben, ist ja noch Einiges zu erwarten.

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